Der Holocaust trennte die Familie Feldmann aus Oradea in Rumänien für immer. Erst nach Kriegsende fanden Jakob Feldmann und zwei seiner Geschwister wieder zueinander und erhielten traurige Gewissheit über das Schicksal ihres Vaters. Auch seine Mutter, Großeltern und zwei weitere Geschwister wurden ermordet.

Jakob Feldmann wurde am 23. August 1927 in Oradea, zu Deutsch Großwardein, geboren. Gemeinsam mit seinen fünf Geschwistern wuchs er dort in einer jüdischen Familie auf. Etwa ein Viertel der Stadtbevölkerung waren Juden. Sein Vater, David Feldmann, arbeitete als Kaufmann. Als das Gebiet um die Großstadt im Nordwesten Rumäniens auf Druck der deutschen und italienischen Regierung im Sommer 1940 an Ungarn fiel, traf die antisemitische Politik auch die Familie des 13-Jährigen Jakob Feldmann. In Ungarn gab es seit 1938 eine Zunahme antijüdischer Gesetze, die sich an den Nürnberger Rassegesetzen orientierten. Allerdings weigerte sich die ungarische Regierung zunächst, die jüdischen Einwohner an die Deutschen auszuliefern.

Die Synagoge von Oradea, dem Heimatort der Familie Feldmann.
© Yad Vashem 

Mit der Besetzung Ungarns durch die deutsche Wehrmacht im März 1944 änderte sich dies und die Situation verschlimmerte sich abermals. Familie Feldmann musste am 5. Mai ins Ghetto von Oradea übersiedeln, welches als zweitgrößtes Ghetto Ungarns völlig überfüllt war. Etwa 15 Personen mussten sich ein kleines Zimmer teilen. Bereits wenige Wochen später begannen die Deportationen: Von Mai bis Juli 1944 deportierten die deutschen Besatzer mit Unterstützung der ungarischen Behörden über 430.000 Juden und Jüdinnen in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Die SS ermordete die Mehrheit von ihnen unmittelbar nach der Ankunft in den Gaskammern.

Die Familie wird zerrissen

Zwischen dem 23. Mai und dem 27. Juni 1944 wurden auch die etwa 35.000 Juden und Jüdinnen aus dem Ghetto in Oradea nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Das Ghetto wurde dazu in Sektoren eingeteilt, sodass jeweils Transporte mit 2.500 bis 3.200 Menschen zusammengestellt wurden. Vermutlich lebte die Familie von Jakob Feldmann gemeinsam mit seinen Großeltern auf engstem Raum im Ghetto zusammen, sodass die gesamte Familie auf ein und denselben Transport geschickt wurde. Jakobs älterer Bruder Schmuel befand sich zu diesem Zeitpunkt nicht bei der Familie. Nach der Ankunft in Birkenau selektierte die SS die Ankommenden auf der Rampe. Männer und Frauen wurden getrennt. Ältere Menschen, Mütter mit Kindern, Kranke und Geschwächte schickte man direkt in den Tod. Nur wenige wurden als sogenannte Depothäftlinge aussortiert, denn sie sollten für die Rüstungsindustrie als Zwangsarbeiter*innen für Hitlers Krieg arbeiten.

Jüdische Männer nach der Selektion in Auschwitz-Birkenau. © Yad Vashem

Durch die Selektion in Auschwitz wurde die Familie endgültig auseinandergerissen. In den Dokumenten der Arolsen Archives finden sich folgende Informationen: Magda Feldmann, Jakobs Schwester, kam zur Zwangsarbeit ins KZ Riga Kaiserwald. Jakob und sein Vater David wurden am 18. Juni 1944 im KZ Dachau registriert. Als Arbeitssklaven überstellte man sie in das Außenlager München-Allach, Lager Karlsfeld. Dort mussten sie für BMW gemeinsam mit tausenden Gefangenen und Zwangsarbeiter*innen Flugmotoren bauen.

Die Namen von Mutter Fani und den Großeltern Moses und Reise sowie der anderen Geschwister finden sich nicht in den Dokumenten. Höchstwahrscheinlich wurden sie unmittelbar nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet oder starben an den schrecklichen Bedingungen im Lager.

In der Medieninstallation erinnern wir an das Schicksal von Jakob Feldmann und seiner Familie und setzen uns mit #everynamecounts dafür ein, dass kein Opfer vergessen wird.

Im Februar 1945 kamen Vater und Sohn ins Waldlager Mühldorf, wo die Häftlinge in Erdhütten hausen mussten. Hier wurde Jakob von seinem Vater getrennt: Die SS schickte David mit 4.000 anderen völlig entkräfteten Häftlingen auf einen Todeszug. Fünf Tage dauerte die Irrfahrt durch Bayern. Am 20. April 1945 fand die US-Armee den Güterzug voller Leichen und halbverhungerter Häftlinge in Seeshaupt und versuchte die Überlebenden zu versorgen. Für David Feldmann kam die Rettung zu spät: er starb wenige Tage nach der Befreiung und wurde im Strandbad Seeshaupt bestattet.

Jakob war indes aus Mühldorf zurück ins Hauptlager nach Dachau gebracht worden. Am 29. April erlebte er die Befreiung des Lagers durch US-Truppen. Von der Haft gezeichnet und entkräftet, versorgte man den 17-Jährigen zunächst in Dachau und dann im Hospital der IRO (International Refugee Organization) in St. Ottilien, bevor er in das Lager für Displaced Persons nach Feldafing kam.

 

Diese Liste zeigt Jakob Feldmans Namen als einer der rumänischen Juden, die aus dem KZ Dachau befreit wurden.

 

Zusammenführung der Familie

Auch seine Schwester Magda hatte die Lager Riga Kaiserwald, Stutthof und das Buchenwalder Außenlager Leipzig Schönau überlebt und war nach Großwardein zurückgekehrt, wohin auch Jakob auf der Suche nach Familienmitgliedern zurückkehrte. Jakobs Bruder Schmuel hatte ebenfalls überlebt und wanderte nach Israel aus, wohin ihm seine Schwester Magda später folgt. Über eine Anfrage bei den alliierten Suchbüros im Jahr 1946 versuchten die Geschwister Gewissheit über das Schicksal des Vaters zu erhalten. Aber erst im November 1950 konnte der ITS (heute Arolsen Archives) die Information über dessen Todesumstände übermitteln.

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